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29.07.2022

„Die Arbeit mit Autist*innen ist spannend“

Björn Eginger arbeitet als Erzieher im Fachbereich Autismus der Rummelsberger Diakonie in Hersbruck – Tolles Team

Hersbruck – Björn Eginger ist ein begehrter Mann: Er ist Erzieher. Als pädagogischer Fachkraft stehen ihm auf dem Arbeitsmarkt zurzeit viele Türen offen. Vor einem Jahr hat der 32-jährige seinen Abschluss gemacht und ist dann im Fachbereich Autismus der Rummelsberger Diakonie in Hersbruck durchgestartet. „Ich habe zuvor als Mediengestalter in einer Agentur gearbeitet und mich immer wieder gefragt. Was mache ich hier eigentlich?“ Als er sich diese Frage nicht mehr beantworten konnte, fiel ihm die Entscheidung leicht. Er kündigte und begann an der städtischen Fachakademie für Sozialpädagogik in Nürnberg seine Ausbildung.

„Die Arbeit mit Menschen im Autismus-Spektrum finde ich spannend“, erzählt der 32-Jährige. Schon während seiner Ausbildung hat er in Wien ein Praktikum in einer Einrichtung für Menschen im Autismus-Spektrum gemacht. „Die vier Wochen waren wirklich intensiv“, sagt Eginger. Ohne dieses Praktikum wäre er nicht im Fachbereich Autismus gelandet und hätte Simon Schmidt (Name geändert) nicht kennengelernt. Der 22-Jährige wohnt seit drei Jahren in Hersbruck.

Die Interessen der beiden sind ziemlich gleich. Sie cruisen mit Skateboard und Roller durch Hersbruck und zocken an der Playstation.  Beide stehen auf Jump & Run-Spiele. „Ich mag Lilo & Stitch“, sagt Simon Schmidt und bei Quack Attack zieht er Björn Eginger regelmäßig ab.  Die enge Verbindung nutzt der Erzieher, um Simon Schmidt zu fördern. „Während der Corona-Pandemie haben wir gemerkt, dass Simon super mit Technik umgehen kann.“ Per Videotelefonie haben sie seine Sprachansätze gefördert und der junge Mann macht gute Fortschritte.

In der Arbeit im Fachbereich gibt es kein Schema-F, sondern das 25-köpfige Team in Hersbruck muss sich für jeden Menschen eine passende Lösung einfallen lassen. „Die Bewohner*innen haben unterschiedliche Bedürfnisse. Und da die meisten sich nicht lautsprachlich äußern können, leisten wir auch immer ein wenig Detektivarbeit“, erzählt Eginger. Geduld, Verständnis und den unbedingten Willen, den anderen zu verstehen, sind wichtige Eigenschaften, um den Job gut zu machen. Gut geeignet ist auch, wer Strukturen vorgeben und diese etwa in Tagesplänen anschaulich machen kann.  

Ursprünglich wollte Björn Eginger in einem Offenen Jugendtreff arbeiten und auf Skateranlagen und Bahnhöfen mit jungen Leuten in Kontakt kommen. Ausprobiert hatte er das bereits während seiner Ausbildung. Seine Freunde und ehemalige Schulkolleg*innen meinten, dass er super in den Bereich passe. Also hat er bei der Rummelsberger Diakonie gekündigt und zum März eine neue Stelle in der Jugendarbeit in Nürnberg begonnen. Schnell hat er gemerkt, dass die Entscheidung nicht richtig war. „Ich habe Simon und die anderen sehr vermisst“, gibt er ehrlich zu. Aber die Erfahrung war schon wichtig. Denn Björn Eginger hat gemerkt, dass er nicht Streetworker sein muss, um seine Hobbys mit seinem Beruf zu verbinden.  

Björn Eginger gefällt sein Job, die Arbeit erfüllt ihn und macht für ihn Sinn. Klar ist er ein Idealist, aber will auch ein schönes Leben führen. Und das kann er auch, denn die Rummelsberger Diakonie als kirchlicher Arbeitgeber zahlt nach „Tarifvertrag“ der Diakonie (AVR-Bayern). „Gerade wurden umfangreiche Lohnerhöhungen beschlossen“, informiert Ralph Eichenseher, Leiter des Fachbereichs Autismus. Bis zu 8,6 Prozent mehr Gehalt wird es zum 1. Januar 2023 geben und eine monatliche Schichtzulage von bis zu 155 Euro. „Außerdem können wir es künftig mit 60 Euro honorieren, wenn Kolleg*innen kurzfristig an ihren freien Tagen einspringen“, sagt Eichenseher. Ein weiterer Pluspunkt ist die arbeitgeberfinanzierte Betriebsrente. Und es gibt 30 Tage Urlaub und drei zusätzliche freie Tage im Jahr.

„Die Bedingungen bei der Rummelsberger Diakonie sind gut und wir haben zurzeit auch Stellen frei“, wirbt Björn Eginger um pädagogische Fachkräfte. Wer sich über die Arbeit und über freie Stellen im Fachbereich Autismus informieren will, kann hier nachlesen: www.jobsplussinn.de.


Von: Heike Reinhold

Björn Eginger (links) und Simon Schmidt zocken im Wohnbereich in Hersbruck gerne an der Playstation. Foto: Heike Reinhold

29.07.2022

Lieber Müsli statt Marmelade

Die Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation 18 plus unterstützt Bewohner*innen und Mitarbeitende der Rummelsberger Behindertenhilfe dabei, verständlich miteinander zu kommunizieren.

Altdorf – Menschen, die sich nicht oder nur wenig lautsprachlich äußern können, drücken sich anders aus. Sie kommunizieren durch Hand-Bewegungen, mit Mimik und Gesten oder mithilfe von Fotos. Auch Bilder, Symbole und Technik können ihnen dabei helfen, gut verstanden zu werden. Das sind zum Beispiel Bildkarten, Computer oder Handys. Diese Angebote sind Teil der Unterstützte Kommunikation. Seit acht Jahren gibt es die Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation (UK) 18 plus der Rummelsberger Diakonie in Altdorf. Das Team kümmert sich um die Anliegen erwachsener Menschen, die von Mitarbeiter*innen der Rummelsberger Behindertenhilfe begleitet und unterstützt werden. Denn von aktuell 1.200 Menschen mit Behinderung, die bei dem sozialen Träger wohnen, äußern sich 40 Prozent der Menschen nicht oder nur wenig lautsprachlich. In Sachen Kommunikation bedeutet das eine große Herausforderung

Dabei sind die Bedarfe sehr vielfältig, das Ziel ist aber gleich: „Wir unterstützen die Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen dabei, das Zusammenleben und das Verständnis füreinander zu verbessern und so die Selbstwirksamkeit des Einzelnen zu stärken“, informiert Leiterin Anja Pudelko. Neben Ergotherapeutin und Kommunikationspädagogin Pudelko gehören Heilpädagogin Anna-Lena Deeg und Heilerziehungspflegerin Ulrike Rothlehner zum Team. Beide haben gerade ihre Weiterbildungen zum UK-Coach abgeschlossen. „Unsere Hauptaufgabe ist es, die Mitarbeitenden in der Unterstützung einer gelingenden Kommunikation anzuleiten“, erklärt Pudelko.

Um die Menschen gut fördern zu können, führen die UK-Expertinnen beim ersten Treffen eine Diagnostik durch. „Wir ermitteln dann, welche Kommunikationsmöglichkeiten die Menschen haben und überlegen, wie diese Kommunikationsmöglichkeiten unterstützt werden können“, erklärt Rothlehner. Denn in der Regel kommen die Mitarbeiter*innen mit Klient*innen, bei denen die Kommunikation hakt. Zum Beispiel Klaus Werner (Name geändert), der in einer Gärtnerei arbeitet und fit genug ist, Kolleg*innen anzuleiten. Allerdings wird er von den Kolleg*innen nicht verstanden. „In der UK-Beratung wurde besprochen, dass Klaus eine Sammlung an Symbolen bekommt, die er immer bei sich hat. Diese zeigen, was er benötigt bzw. was er von andern möchte z. B. Blumen gießen und Erde holen“, erklärt sie. Das kann aber auch sein, dass ein Bewohner plötzlich kein Marmeladenbrot mehr zum Frühstück möchte und die Kolleg*innen über die Auswahlmöglichkeit mit Symbolen herausfinden, dass er lieber Müsli mag.

Auch Klient*innen mit herausforderndem Verhalten können in der UK-Beratung Unterstützung bekommen. So zum Beispiel ein junger Mann mit einer Autismus-Spektrum-Störung, der mit den öffentlichen Verkehrsmitteln selbstständig in eine naheliegende Werkstatt zur Arbeit fahren durfte. Doch mit der Zeit kam es morgens zunehmend zu Problemen. Der junge Mann wollte den Wohnbereich nicht verlassen und warf sich auf den Boden. „In der UK-Beratung haben wir dann herausgefunden, dass er mit der Zugfahrt überfordert ist“, erklärt Anna-Lena Deeg. Nachdem das Verhalten verstanden war, haben sie dem Klienten angeboten, in die Förderstätte Vorort zu wechseln und seitdem geht der junge Mann morgens gerne in die Arbeit.

Bei der Diagnostik hilft den UK-Expertinnen, dass sie verschiedene Methoden und Ansätze einsetzen können, denn durch ihre Schulungen und Weiterbildungen vereinen die drei Kolleg*innen viel Wissen im Bereich der UK und der Diagnostik. Welche Klient*innen beim UK Team angemeldet werden, entscheiden die Kolleg*innen in den Einrichtungen und Diensten häufig in Zusammenarbeit mit dem Fachdienst. „Am besten ist, wenn wir eine E-Mail erhalten, in der der Klient*en kurz vorgestellt und der Situation beschrieben wird“, erklärt Ulrike Rothlehner. Dann melden sich die Kolleg*innen des UK-Teams mit einem Terminvorschlag. Kontakt: UK18Plus(at)rummelsberger.net


Von: Heike Reinhold

Das Team der Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation 18 plus (von links): Anna-Lena Deeg, Anja Pudelko und Ulrike Rothlehner. Foto: Stefan Eisele