Wichernhaus Altdorf

Angebote für Menschen mit Behinderung

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15.09.2022

„Der Ernst des Lebens stellt sich vor“

21 Kinder werden am Sozialpädagogischen Förderzentrum in Altdorf eingeschult

Altdorf – 21 freudig erregte Erstklässler*innen tummelten sich am Dienstag in der Aula des SFZ-Altdorfs, um dort gemeinsam mit den Eltern von Schulleiterin Petra Schön begrüßt zu werden. Neben den Begrüßungsworten der Schulleiterin hießen auch die DFK-Klassen die neuen Mitschüler*innen mit dem Lied „Hurra, ich bin ein Schulkind!“ willkommen. Was es mit dem Ernst des Lebens, der nun für die Kinder beginnt, auf sich hat, erklärte die Schulleiterin. Dafür stellte sie den gespannten Kindern eine Geschichte vor. Darin erfuhren die Neuankömmlinge, dass es in Ordnung ist, auch etwas Angst vor dem ersten Schultag und den damit verbundenen Herausforderungen zu haben - aber am Ende alles gut ist. So erging es auch Esel Eli und Puppe Maja, welche die Erstklässler*innen in einem kurzen Handspiel kennenlernten. Rabe Rudi konnte aber alle schnell beruhigen und auf das einstimmen, was die gespannten Schüler*innen erwartet. Nun war es soweit. Jedes Kind wurde aufgerufen und begleitete die Klassenleitungen Yvonne Kübert, Marilyn Bracher, Kathrin Willmitzer und Inka Denkler ins Klassenzimmer. Während die Eltern mit Kaffee und Plätzchen versorgt wurden, erlebten die Kinder ihre erste Unterrichtseinheit. Mit leuchtenden Augen verließen sie daraufhin die Klassenzimmer und waren sich einig, dass sie am nächsten Tag gerne wieder in die Schule kommen wollen.


Von: Petra Schön

21 aufgeregte Erstklässler*innen gemeinsam mit ihren zukünftigen Lehrerinnen.

17.08.2022

Ein voller Erfolg

Aktion Aktiv-Team „Wir bewegen uns“ der Rummelsberger Dienste für Menschen mit Behinderung endet nach drei Jahren

Altdorf– Alexander Scherm kommt aus dem Strahlen nicht mehr heraus: Zur täglichen Mittagsruhe kann der 29-Jährige sich nun fast eigenständig von seinem Rollstuhl in sein Bett rollen. „Das ist für mich eine große Erleichterung“, freut er sich. Und nicht nur für ihn: Birgit Niederlich, Mitarbeiterin in der Förderstätte im Altdorfer Wichernhaus, braucht ihn nicht mehr unter erheblichen Zeitaufwand mithilfe eines Lifters zu mobilisieren. Stattdessen nimmt sie eine assistierende Rolle ein, spart Zeit und schützt zusätzlich ihre Gesundheit.
Die Erweiterung der eigenen Bewegungskompetenz und die angepasste Unterstützung im Berufsalltag erlernte Birgit Niederlich und ihre Kolleg*innen bei den absolvierten Kinaesthetics Grund- und Aufbaukurs Fortbildungen. Der Kinaestheticstrainer Stephan Posse bietet als Studienleiter der Diakonischen Akademie regelmäßig diese Schulungen an. Zusätzlich kann er seit 2018 im Bereich der Rummelsberger Dienste für Menschen mit Behinderung (RDB) gezielt die Implementierung von Kinaesthetics (Lehre von der Bewegungswahrnehmung) projekthaft unterstützen. „Mir ist es wichtig, dass Klientinnen und Klienten im Alltag Selbstwirksamkeit erfahren und dass Mitarbeitende ihre Kompetenzen erweitern“, fasst der Diakon zusammen. 
Die Umsetzung dieser Ziele sollte besonders gefördert werden, weshalb Ende 2019 die Aktion Aktiv-Team „Wir bewegen uns“ startete. Zusammen mit Mitarbeitenden aus den Wohneinrichtungen, den Talentschmieden und Schulen der Rummelsberger Diakonie bildeten sich dabei insgesamt 29 Aktiv-Teams. Alle mit demselben Ziel: Menschen mit Behinderung sollen sich mehr eigenständig bewegen können. Alle Teilnehmenden erhielten für die Extraportion Motivation und Zusammenhalt bunte Team-T-Shirts. 
„Jeder Mensch hat Entwicklungspotenziale“, – dieses Leitmotiv prägte die Aktion zu jeder Zeit. Dank der kinästhetischen Lernkonzepte wurden stets die individuellen Voraussetzungen bei der Durchführung der Ziele berücksichtigt. Die Klient*innen sollten mehr Unabhängigkeit erlangen und die Mitarbeiter*innen entlastet werden. Die Festlegung der Bewegungsziele gestaltete sich in der Praxis unterschiedlich. Die Teilnehmenden trafen sich zum Beispiel, um das Aufstehen vom Rollstuhl zu üben. Ein anderes Team hatte sich zur Aufgabe gemacht, sich auf der Bodenmatte liegend eigenständig drehen zu können. 
Scherm von der Altdorfer Wichern-Förderstätte hatte gleich mehrere Ziele, die er durch die täglichen Übungen erreichte. Dank der Aktion kann er nicht nur fast eigenständig ins Bett, sondern fährt mit einem Rollbrett durch die Flure und geht jeden Tag auf einem Stehständer. Sein Alltag gestaltet sich selbstbestimmter, unabhängiger und gesünder. Wie er selbst berichtet, hat er durch die Bewegungserfahrungen an Kraft gewonnen und an Gewicht verloren. Niederlich betreut auch Fabian Zwenzner von der Wichern-Förderstätte, der durch zahlreiche Übungen jetzt 30 Minuten am Tag auf einem normalen Stuhl sitzen kann. Der 40-Jährige organisiert durch das Sitzen sein Gleichgewicht und balanciert sein Stehen besser aus. Das hilft ihm auch in anderen Alltagssituationen, wie er berichtet: „Im letzten Urlaub konnte ich mich in einer engen Toilette auf einer Fähre zum Stehen bringen und war stolz wie Oskar.“
Diakon Posse konnte die letzten drei Jahre die zahlreichen Erfolge der insgesamt 87 Teilnehmenden mitverfolgen und ist sehr beeindruckt von den Entwicklungen aller Beteiligten. Bedanken möchte er sich auch bei Diakon Volker Deeg, der als fachlicher Leiter der RDB die Aktion umfassend unterstützte. Scherm und Zwenzner freuen sich sehr über ihre Urkunden, die jede*r Klient*in und begleitende*r Mitarbeiter*in bei der Präsentation ihres Zieles erhielten. Die Aktion Aktiv-Team endet zwar Ende August, jedoch werden die Mitarbeitenden der RDB weiterhin die kreativen Bewegungsansätze von Kinaesthetics aktiv weiterentwickeln. Somit bleiben die Erfolge der Aktion sowie die neue Selbstbestimmtheit nachhaltig erhalten. 
 


Von: Paula Wahlig

Birgit Niederlich, Mitarbeiterin im Altdorfer Wichernhaus und Diakon Stephan Posse, Kinaestheticstrainer der Diakonischen Akademie, freuen sich mit Alexander Scherm (links) und Fabian Zwenzner über ihren erfolgreichen Abschluss der Aktion Aktiv-Team.